Fachkräftemangel in der Produktion: Wann sich ein Cobot statt einer Neueinstellung rechnet
Cobots ersetzen keine Menschen. Aber sie übernehmen genau die monotonen Tätigkeiten, für die Sie ohnehin niemanden mehr finden. Hier die ehrliche Rechnung, wann sich der Schritt lohnt.
„Wir würden ja gerne einstellen, aber wir finden niemanden." Diesen Satz hören wir in fast jedem Gespräch mit Produktionsverantwortlichen. Der Fachkräftemangel ist kein abstraktes Konjunkturthema mehr, er steht konkret an der Palettierstation, an der Maschinenbeschickung, in der Qualitätskontrolle.
Die Kosten, die niemand auf dem Zettel hat
Wenn über Automatisierung gesprochen wird, steht meist der Preis der Roboterzelle im Raum. Was selten gegengerechnet wird, sind die Kosten der nicht besetzten Stelle. Eine Position, die monatelang offen bleibt, ist nicht kostenneutral. Sie kostet durch:
- entgangene oder verzögerte Produktion,
- Überstunden und Mehrbelastung der bestehenden Belegschaft,
- Aufträge, die man nicht annehmen kann,
- und nicht zuletzt durch die Fluktuation, wenn überlastete Mitarbeiter gehen.
Diese laufenden Kosten verschwinden nicht, wenn man die Investition aufschiebt. Sie laufen jeden Monat weiter.
Wofür ein Cobot wirklich gut ist
Cobots sind kein Allheilmittel. Sie sind stark bei Tätigkeiten, die gleichförmig, körperlich belastend oder schlecht zu besetzen sind: Teile von A nach B legen, palettieren, Maschinen be- und entladen, einfache Prüfschritte. Genau für diese Aufgaben findet sich heute am schwersten Personal, weil sie monoton sind. Der Cobot übernimmt sie zuverlässig im Takt, auch in der zweiten und dritten Schicht.
Der Gewinn ist doppelt: Die Lücke an der monotonen Station wird geschlossen, und die vorhandene Fachkraft wird für Tätigkeiten frei, die Erfahrung und Urteilsvermögen brauchen. Das ist der eigentliche Punkt. Es geht nicht um Ersatz, sondern um Umverteilung knapper menschlicher Arbeitszeit auf das, wo sie zählt.
Die Rechnung, vereinfacht
Stellen Sie die jährlichen Kosten einer Arbeitskraft in der Zielstation (Lohn plus Lohnnebenkosten, multipliziert mit den Schichten) den Gesamtkosten einer Cobot-Zelle gegenüber, verteilt über ihre Nutzungsdauer. Drei Faktoren entscheiden:
| Faktor | Wirkung auf die Wirtschaftlichkeit |
|---|---|
| Schichten pro Tag | Je mehr Schichten der Cobot läuft, desto schneller amortisiert er sich. Drei-Schicht-Betrieb ist der ideale Fall. |
| Auslastung der Station | Eine Zelle, die nur stundenweise gebraucht wird, rechnet sich schlecht. Hohe, gleichmäßige Auslastung ist entscheidend. |
| Stundenlohn der ersetzten Tätigkeit | Je teurer die manuelle Arbeit, desto größer die Ersparnis pro Stunde. |
Wann eine Einstellung das Richtige bleibt
Ehrlichkeit gehört dazu: Nicht jede Lücke gehört automatisiert. Wenn die Tätigkeit stark variiert, viel Fingerspitzengefühl oder Entscheidungen verlangt, kleine, ständig wechselnde Losgrößen anfallen oder die Station nur selten läuft, ist ein Mensch wirtschaftlich und praktisch überlegen. Ein Cobot will ausgelastet und mit einem stabilen, wiederkehrenden Prozess gefüttert werden. Wo es den nicht gibt, ist die Einstellung der bessere Weg.
So fangen Sie an
Suchen Sie nicht „den Roboter", sondern den einen Prozess, der am meisten Personal bindet und am gleichförmigsten ist. Das ist fast immer der beste erste Anwendungsfall. Rechnen Sie die laufenden Kosten der heutigen Lösung ehrlich mit, inklusive Überstunden und unbesetzter Stellen. Und holen Sie sich für die Auslegung jemanden, der die Anbieterseite kennt, bevor Sie Angebote vergleichen.
Häufige Fragen
Ersetzt ein Cobot einen Mitarbeiter?
In der Regel nicht eins zu eins. Cobots übernehmen monotone, körperlich belastende oder gefährliche Teilaufgaben, etwa das Palettieren am Schichtende. Die Fachkraft wird dadurch für anspruchsvollere Tätigkeiten frei. In der Praxis geht es seltener um Ersatz als um das Schließen einer Lücke, für die sich ohnehin niemand findet.
Ab welchem Stundenlohn lohnt sich Automatisierung?
Es gibt keine feste Schwelle, aber je höher der Stundenlohn, je mehr Schichten und je gleichförmiger die Tätigkeit, desto schneller die Amortisation. Entscheidend ist nicht nur der Lohn, sondern wie viele Stunden produktiver Arbeit der Cobot tatsächlich übernimmt.
Was kostet eine unbesetzte Stelle?
Studien beziffern die Kosten einer langfristig unbesetzten Fachkraftstelle je nach Branche im fünfstelligen Bereich pro Jahr, durch entgangene Produktion, Überstunden der übrigen Belegschaft und verzögerte Aufträge. Genau diese laufenden Kosten fallen in der Cobot-Rechnung oft unter den Tisch.
Wie schnell amortisiert sich ein Cobot?
Bei gut gewählten Anwendungen mit hoher Auslastung liegt die Amortisation häufig im Bereich von ein bis drei Jahren. Bei Einschicht-Betrieb mit geringer Auslastung kann es deutlich länger dauern. Die Auslastung ist der wichtigste Hebel.
Die genannten Zahlen sind branchenübliche Richtwerte zur Veranschaulichung und ersetzen keine betriebsindividuelle Wirtschaftlichkeitsrechnung. Ihr tatsächlicher Fall hängt von Prozess, Auslastung und Stückzahlen ab.